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TITI LIVII

AB URBE CONDITA

LIBRI XXI et XXII.

FÜR DEN SCHULGEBRAUCH

ERKLÄRT

VON

DR. CARL TÜCKING,

OBERLEHRER AM K. GYMNASIUM ZU ARNSBERG.

HEFT I, BUCH XXI ENTHALTEND.

PADERBORN.

DRUCK UND VERLAG VON FERDINAND SCHÖNINGH.

1870. -

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Vorwort.

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Wenn es einerseits keinem Zweifel unterliegt, dass Livius zu denjenigen Schriftstellern gehöre, deren Lektüre für die Gymnasialschüler so anziehend wie belehrend ist, so wird andrerseits aber auch Jeder, dessen Aufgabe es ist, die Jugend in die Werke jenes Geschichtschreibers einzuführen, bald die Ueberzeugung gewinnen, dass wenigstens die Secundaner grossen Theils nicht im Stande sind, bei ihren Praeparationen so manche Schwierigkeiten, welche entweder der Inhalt oder die Form bietet, ohne besondere Hülfsmittel zu überwinden. Um so mehr ist zu bedauern, dass neben so vielen Kommentaren gelehrter Männer, welche mit unverdrossenem Eifer ausser der Herstellung eines richtigen Textes zugleich die möglichst vollständige und genaue Klarlegung des Inhalts anstrebten, kaum eine Ausgabe existirt, worin zunächst und vorzugsweise das für die Schule Nothwendige und Erspriessliche geboten wird. Subtile Kritik aller verschiedenen Lesarten, eine beinahe ängstliche Prüfung des Inhalts, wobei die abweichenden Angaben anderer Schriftsteller, selbst solcher, welche nicht in den Kreis des Gymnasiums fallen, von denen oft nicht einmal der Name den Schülern bekannt ist, mehr oder weniger vollständig angeführt werden, Exkurse über mythologische, literarische, chronologische, numismatische Gegenstände u. dgl. m. gehören nach meiner Ansicht nicht in eine Schulausgabe. Die Noten sollen

. dem Schüler zunächst nur das bieten, was er zur richtigen Auffassung der betreffenden Stelle nöthig hat; ausserdem mögen sie etwa da, aber auch nur da, wo die Interpretation von selbst darauf führt, kurze Winke enthalten, welche entweder auf die besonderen Eigenthümlichkeiten des Schriftstellers, auf die

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Abweichungen in Ausdruck und Wendung von dem Sprachgebrauche eines Cicero, Cäsar u. a. Klassiker hindeuten oder auch im Allgemeinen den Unterschied der lateinischen und deutschen Auffassungs- und Darstellungsweise bemerkbar machen. Aber nicht allein bei der Abfassung der Noten, sondern selbst bei der Herstellung des Textes ist in fast allen für Schüler bestimmten Ausgaben auf das, was die Schule durchaus fordern muss, wenig oder gar keine Rücksicht genommen. Ich habe hier nicht zu erörtern, inwiefern die Resultate der in jüngster Zeit so lebhaft betriebenen Forschungen über lateinische Orthographie Anerkennung verdienen. Gewiss wird man nicht umhin können, in allen denjenigen Wörtern, deren ursprüngliche Schreibung durch unzweifelhafte Zeugnisse sich feststellen lässt, die oft willkürliche Schreibweise der spätern Zeit aufzugeben; dagegen wird es gewiss kein praktischer Schulmann billigen, wenn man in einem Schulbuche entweder jede oft nur schwach beglaubigte Schreibung aufnimmt oder gar in ängstlichem Anschluss an die Handschriften selbst Inkonsequenzen sich erlaubt und z. B. ecus neben equus, volt neben volt, maxume neben maxime, conlega neben collega, extare neben exstare, is neben iis, praesidi neben praesidii, Alpis neben Alpes schreibt u. dgl. m. Mir schien es am besten, bei der Wortschreibung die in der lateinischen Grammatik von F. Schultz SS. 6—10 (6. Aufl.) aufgestellten Regeln zu befolgen.

Sollte vorliegendes Büchlein den Beifall meiner Herren Kollegen finden, so würde ich mich gern der Mühe unterziehen, noch einige andere Bücher des Livius, welche zur Lektüre, sei es in der Klasse sei es privatim, vorgelegt zu werden verdienen, in gleicher Weise zu bearbeiten. Arnsberg, den 20. Februar 1870.

C. T.

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